NS-Zeit in Chełmno – Kindheitserinnerungen von Eugeniusz Stefaniak

Vor zwei Monaten erhielt ich einen Anruf eines älteren Herren, der auf meinen 1997 verfassten Aufsatz über die NS-Zeit in Chełmno aufmerksam geworden war und mir während des Telefongesprächs sein im vergangenen Jahr beim Verlag Adam Marszałek in Toruń herausgegebenes Buch Byłem oficerem politycznym LWP empfahl. Dieser Titel, der ins Deutsche übersetzt Ich war Politoffizier der Polnischen Volksarmee bedeutet, lässt zunächst keinen Zusammenhang mit Chełmno vermuten. Umso dankbarer bin ich dem Verfasser, Herrn Eugeniusz Stefaniak, dass er mich auf sein Werk hingewiesen hat, und nehme gerne seine Anregung auf, an dieser Stelle den ersten Teil seiner Darstellungen zusammenfassend wiederzugeben.

Oberst Eugeniusz Stefaniak, 1928 in Chełmno geboren, setzt sich nämlich nicht nur selbstkritisch und offen mit seinem persönlichen Werdegang als Offizier in der Polnischen Volksarmee bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1980 auseinander, sondern berichtet auch über seine alles andere als sorgenfreie Kindheit, die er in seiner Heimatstadt verbrachte. Besonders interessant sind seine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene Besatzung der Stadt durch das nationalsozialistisch regierte Deutschland. Seine Schilderungen zeigen eindrücklich die Schwierigkeiten und Gefahren, denen seine schon vor dem Krieg in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie ausgesetzt war.

Stefaniak erinnert sich daran, dass im Sommer 1939 in der Schule, auf der Straße und im Kreis der Familie über die Gefahr eines Krieges gegen Deutschland gesprochen wurde. Der damals 11-jährige Schüler war davon überzeugt, dass die Soldaten der örtlichen Garnison, die von ihm inständig verehrt wurden, im Fall der Fälle den Feind zurückschlagen würden. Ende August wurde sein 39-jähriger Vater zur Armee einberufen, obwohl er aus dem Ersten Weltkrieg als Kriegsbeschädigter zurückgekommen war und eine Frau und sechs Kinder zu versorgen hatte.

Landratsamt während der NS-Zeit in Chełmno nad Wisłą (Kulm an der Weichsel)Erstes militärisches Anzeichen für den Kriegsausbruch war für Eugeniusz Stefaniak ein Angriff drei deutscher Bomber am 1. September, die die Weichselfähre bei Chełmno und einen zwischen Stadt und Weichsel liegenden Wald angriffen, in dem polnische Einheiten lagen. Am nächsten Tag schleppte sich ein schwer verletzter polnischer Soldat auf den Hof des von den Stefaniaks bewohnten Hauses, das an der von der Weichselfähre in die Altstadt führenden Verbindungsstraße (ul. Kamionka) stand. Nachmittags tauchten über der Nachbarstadt Świecie blaue Bomber auf, die zunächst für britische Flugzeuge gehalten wurden. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese deutschen Maschinen vom Typ Heinkel alle umliegenden Weichselübergänge bombardierten. Auch auf den nahe gelegenen Wald und den Garten des Hauses, in dem die Familie Stefaniak lebte, fielen Bomben. Ein Nachbar der Stefaniaks kam dabei ums Leben.

Die nächste Erinnerung des Autors betrifft den Abend des 5. September, als eine erste Kolonne gepanzerter Wehrmachtsfahrzeuge auf einer Pontonbrücke die Weichsel überquerte. Drei Tage und drei Nächte lang, so Stefaniak, seien im Haus die von Fahrzeugkolonnen verursachten Erschütterungen zu spüren gewesen. Er beobachtete die feindlichen Panzer, Artillerie und motorisierte Infanterie, die Chełmno durchquerte und sorgte sich um das Schicksal seines Vaters, der ins rund 40 km gelegene Toruń einberufen worden war. Später zeigte sich, dass der Vater während der Schlacht an der Bzura in deutsche Gefangenschaft geraten war und im Spätherbst 1941 nach Hause zurückkehren konnte.

Die ersten Besatzungsmonate charakterisiert Eugeniusz Stefaniak mit folgenden Worten:

Wie auf ein Trompetensignal begannen sich die örtlichen Deutschen zu aktivieren. In ihrer Siegeseuphorie gingen sie, militärischen Schutzes gewiss, sofort zu einer Welle barbarischer Verhaftungen und Ermordungen von Polen über. Nicht die Wehrmacht, nicht die Polizei und nicht die Gestapo (diese nur sporadisch), sondern einheimische Deutsche, die einstigen Nachbarn der Polen, im sog. Selbstschutz organisiert, brachten Schande über sich durch einen Völkermord im Culmer Land. (…) Es ist unfassbar, woher der übermäßige Hass der einheimischen Deutschen kam. Schließlich wurden nicht nur Männer, Väter und Ehegatten, sondern oft auch Ehefrauen und Kinder ermordet. Sicherlich hörte man auch von guten Deutschen, die sich anständig gegenüber Polen verhielten. Jedoch wurde ihre Güte und die greifbaren Belege dafür vom enormen Maß der Verbrechen der Selbstschutz-Gruppen gedämpft oder besser gesagt erstickt.

Im Gedächtnis haften geblieben ist Eugeniusz Stefaniak aus dieser Anfangszeit der NS-Herrschaft in der nun amtlich Kulm an der Weichsel heißenden Stadt die Inhaftierung von 300 Personen in der Franziskanerkirche, die wegen ihrer Nutzung durch das benachbarte Gymnasium auch Gymnasialkirche genannt wurde. Lehrer, Beamte, Handwerker, Ärzte, Pfarrer, Funktionäre polnischer Verbände, aber vor allem vermögende Landwirte, darunter Stefaniaks Onkel Roman aus dem im Landkreis Chełmno gelegenen Dorf Strucfon, wurden in dem großen Gotteshaus festgehalten. Gemeinsam mit seiner Tante Felicja harrte der junge Eugeniusz vor der Kirche aus und wartete auf Gelegenheiten, seinem Onkel kleine Pakete mit Lebensmitteln und warme Kleidung zukommen zu lassen. Die Inhaftierten wurden verhört und geschlagen, viele von ihnen anschließend an einer der Massenhinrichtungsstätten in der Umgebung von Chełmno ermordet, andere vorübergehend freigelassen. Roman Stefaniak konnte nach seiner Freilassung fliehen und sich im Generalgouvernement versteckt halten. Dort schloss er sich einer Widerstandsorganisation an.

Marktplatz in Chełmno während des Zweiten WeltkriegsBesonderes Unbehagen bereitete Eugeniusz Stefaniak in dieser Zeit das seiner Erinnerung nach selbstsichere Auftreten von Deutschen, die die nicht weit entfernte evangelische Kirche an der ul. Wodna besuchten. Er sah einen Widerspruch darin, dass sich Menschen einerseits durch den Kirchgang zum christlichen Glauben bekannten und andererseits schweigend das in einem anderen Gotteshaus der Stadt stattfindende Unrecht hinnahmen. Stefaniak erinnert sich daran, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt von der Entscheidungsgewalt einheimischer Deutscher über Tod oder Leben überzeugt gewesen ist. Seine Erinnerung an die gut 70 Jahre zurückliegenden Ereignisse zeigt, wie präzise man im Detail sein muss, um nicht unschuldige Personen als Verbrecher erscheinen zu lassen.

So habe es, wie Stefaniak in seinem Buch ausführt, in Chełmno zwei Männer mit Nachnamen Kalweit gegeben, einen sich anständig verhaltenden Gärtner dieses Namens, und einen gewissen Hugo Kalweit, der Mitglied des Selbstschutzes war und “der Buckelige” genannt wurde. Als weiteren ihm bekannten Selbstschutz-Angehörigen erwähnt Stefaniak Anton Resmer aus Lisewo. Stefaniak erinnert sich an eine Aufsehen erregende Aktion Hugo Kalweits im Februar oder März 1940, als dieser während eines Gottesdienstes hoch zu Pferde in die katholische Marienkirche ritt und so offensichtlich seine Stellung als vermeintlicher Herrenmensch demonstrieren wollte.

Einprägsamer als Aufsehen erregende Ereignisse waren für den Autor jedoch die täglichen Sorgen um Nahrungsmittel und die Gesundheit der Familie. Wenige Monate nach seiner Entlassung aus deutscher Kriegsgefangenschaft starb im März 1942 der Vater, so dass es nun vor allem der Mutter oblag, ihre sechs Kinder im Alter von vier bis sechszehn Jahren zu versorgen. Eine Unterstützung wurde ihr im Rathaus mit hämischem Kommentar verweigert. Die rechtliche Lage der Stefaniaks war von Beginn der deutschen Besatzung an unsicher, denn die Eltern stammten aus dem Raum Lublin, dem früheren Kongresspolen. Daher war die Familie seit dem Winter 1939/40 darauf eingestellt, ins Generalgouvernement ausgesiedelt zu werden. Sie stand auf einer entsprechenden Liste. Zweimal erhielt sie die Anordnung, sofort ihre Wohnung zu verlassen und sich an einen Sammelpunkt zu begeben. Zweimal wurde diese Entscheidung in letzter Minute rückgängig gemacht, zum einen wegen der Kriegsgefangenschaft des Vaters und der großen Kinderzahl. So geschah es, dass die Stefaniaks „nur“ in eine schlechtere Wohnung umziehen mussten. Zu einer Vertreibung aus Chełmno kam es nicht mehr, jedoch blieb durch den Status von zur Aussiedlung bestimmten Personen Eugeniusz Stefaniak bis zum Ende des Krieges der Schulbesuch verwehrt.

Der Autor erinnert sich aber nicht nur an das Unrecht des NS-Regimes und seiner Vertreter, sondern auch Schikanen, die die Familie von anderen Polen erlitt. So habe ein ehemaliger Nachbar ihnen rechtswidrig ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück und dadurch die Möglichkeit, Vorräte für den Winter anzulegen, genommen, schreibt Stefaniak.

Schmerzlich in Erinnerung behalten hat der Verfasser ebenso, dass Kinder die Fensterscheiben der Wohnung mit Steinen eingeworfen und ihre Aktionen mit Rufen wie „Fort mit den Russen!“ oder „Fort mit den Kongresspolen!“ kommentiert haben. Stefaniak schreibt:

Mit Bitterkeit denke ich daran zurück, dass uns die Deutschen im Namen ihrer „Ordnung“ manchmal vor Polen aus Pommerellen verteidigt haben. Deshalb kann ich nicht übermäßig den polnischen Patriotismus während der Kriegsjahre idealisieren. Es gibt nämlich auch dunkle und beschämende Seiten.

Ul. Dworcowa (Danziger Straße) in Kulm an der Weichsel (Chełmno nad Wisłą) während der NS-ZeitDie Ursachen für diese gar feindliche Einstellung gegenüber Polen aus dem ehemaligen russischen Teilungsgebiet, dem sog. Kongresspolen, seitens in Chełmno schon seit langem ansässigen Landsleuten sieht Stefaniak heute in einer übermäßigen Idealisierung der „guten alten Zeit unter Kaiser Wilhelm“, als es nicht die wirtschaftlichen Probleme mit hoher Arbeitslosigkeit und weit verbreiteter Armut gab, mit denen der junge polnische Staat nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit kämpfen musste. So könnten ein Teil der alteingesessenen Einwohner, auch solche nichtdeutscher Abstammung, in den ersten Kriegsjahren, die preußische Ära verklärend, wieder von wirtschaftlich besseren Zeiten geträumt und versucht haben, sich von den „russischen Eindringlingen“ demonstrativ abzugrenzen. Diese Haltung änderte sich nach Stefaniaks Erinnerung jedoch ab Ende 1942.

Stefaniaks überrascht in diesem Zusammenhang auch mit einer weiteren Beobachtung: Er lobt ausdrücklich den von der Besatzungsmacht eingesetzten Verwaltungschef Buchwald als „wahrhaften Bürgermeister“, der jede Woche mit einer Kutsche alle Straßen und Winkel der Stadt abgefahren habe, um sodann eventuelle Missstände und Mängel sofort beheben zu lassen. Stefaniak schreibt:

Dadurch war die Stadt gepflegt und sauber. Kaum zu glauben, dass in dieser Zeit ein vernichtender Krieg tobte.

Je länger Krieg und Besatzung dauerten, desto kritischer wurde die Lage der Familie Stefaniak. Anfangs beschaffte sich Stefaniaks Mutter Stanisława Nahrungsmittel für ihre Kinder, indem sie in der Stadt Fische erwarb und diese in umliegenden Dörfern gegen Brot, Mehl, Eier und andere Produkte eintauschte. Sie musste weite Strecken zu Fuß zurücklegen, um mit ihrem Tauschhandel Erfolg zu haben. Im Winter suchte sie oft an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort auf dem Land eine Übernachtungsmöglichkeit, weil ihr die Kraft fehlte, noch am selben Abend nach Hause zurückzukehren.

Mit Hakenkreuzfahnen versehenes Graudenzer Tor in Kulm (Chełmno) während der NS-ZeitDurch die konsequente Einführung der Deutschen Volksliste und bis Frühjahr 1942 vollzogene Einteilung der Bevölkerung verschärfte sich die Versorgungslage noch weiter, weil die Stefaniaks zu der Minderheit der Einwohner gehörten, die in keiner Gruppe der Deutschen Volksliste erfasst worden war, sondern als Polen nur einen Anspruch auf minimale Lebensmittelrationen und Produkte schlechterer Qualität hatten. Die Kinder versuchten nach Kräften, der Mutter zu helfen. Eugeniusz’ älteste Schwestern, die 18-jährige Teresa und die 12-jährige Danuta, mussten Zwangsarbeit in der Kunsthonigfabrik im rund 20 km entfernten Unislaw leisten, und zwar einschließlich Fahrzeit 15 Stunden täglich. Dabei gelang es ihnen immer wieder, ein wenig Kunsthonig in ihrer Kleidung zu verstecken und mitzubringen. Dennoch verschlechterte sich die körperliche Verfassung der Familienmitglieder zunehmend. Eugeniusz wurde von seiner Mutter beispielsweise zur Landarbeit aufs Dorf mitgenommen, um dort zumindest etwas Essen zu erhalten. Besonders kritisch war die Lage gegen Ende des Winters, als die schmalen Vorräte zu Neige gingen. Stefaniak erinnert sich daran, dass die Familie im Frühjahr 1942 drei Tage lang überhaupt nichts zu essen hatte.

Alle sechs Kinder erkrankten schließlich an Thyphus. Da ihnen die Aufnahme ins Kreiskrankenhaus verweigert wurde, wandte sich die Mutter an die im Kloster tätigen Barmherzigen Schwestern, die die Stefaniaks in ihrer Krankenstation zwei Monate lang behandelten und pflegten. Für die älteste Schwester Teresa kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie verstarb im Alter von 20 Jahren. Die anderen fünf Geschwister konnten geheilt werden.

Roonkaserne an der ul. 3 Maja in Kulm an der Weichsel (Chełmno nad Wisłą) während des Zweiten WeltkriegsMit der Rückkehr nach Hause begann erneut der Kampf ums Überleben. Die Mutter bettelte mehrmals in der Woche in umliegenden Dörfern um Brot, die Kinder versuchten dasselbe in der Stadt. Bevorzugte Adresse war eine Wehrmachtskaserne, in deren Abfällen sie nach Essbarem und Brennmaterial suchten. Eugeniusz Stefaniak berichtet sowohl über deutsche Soldaten, die Mitleid mit den ausgehungerten Kindern hatten und ihnen Lebensmittel, Kleidung und Seife zusteckten, aber auch über Wachen, die nicht davor zurückschreckten, von ihrer Waffe Gebrauch zu machen, sobald sie die in den Abfällen der Kaserne wühlenden Stefaniaks bemerkten. Die Suche in Mülltonnen erstreckte sich auch auf Restaurants und einfache Häuser in der Stadt. Stefaniak ist sich sicher, dass er ohne diese Art der Nahrungsbeschaffung die Okkupation nicht überlebt hätte.

In den wenigen freien Minuten versuchten sich die Familienmitglieder, sich gegenseitig beizustehen und aufzumuntern. Die Mutter, eine einfache Frau ohne Schulbildung, gab ihr erstaunlich umfangreiches Wissen über die polnische Geschichte und Nationalhelden an ihre Kinder weiter und war, sicherlich von ihrem tiefem Glauben gestärkt, überzeugt davon, dass Hitler-Deutschland den Krieg verlieren und Chełmno wieder frei sein wird.

Während sich ab Ende 1942 das Verhältnis auch zu angestammten polnischen Einwohnern wieder besserte, bekamen nun auch Eugeniusz und sein Bruder Ferdynand die Härte des Besatzungsregimes nicht nur in Form mangelnder Versorgung persönlich zu spüren. Der ältere Bruder musste zunächst bei einem deutschen Landwirt Zwangsarbeit leisten, wurde geschlagen, später als „Ersatz“ für den Bauernsohn zum Reichsarbeitsdienst und schließlich sogar nach Vollendung des 18. Lebensjahrs zur Wehrmacht eingezogen. Nach mehrmonatigem (unfreiwilligem) Dienst desertierte Ferdynand Stefaniak schließlich an der Westfront und beendete den Zweiten Weltkrieg nach einer Zwischenstation in England als Soldat der auf Seiten der Alliierten kämpfenden Polnischen Armee.

Als Eugeniusz Stefaniak 14 Jahre alt wurde, erhielt auch er als Pole automatisch den Status eines Zwangsarbeiters und wurde sog. Hilfsarbeiter im Obst- und Gemüsegeschäft des protestantischen Kaufmanns Wincenty Szalwicki, der trotz seines polnisch klingenden Namens nach eigenem Bekenntnis Deutscher war und in die II. Gruppe der Deutschen Volksliste aufgenommen wurde. Stefaniak wurde vom Geschäftsinhaber und seiner Frau grundsätzlich gut behandelt, auch wenn sie ihre priviligierte Position durch antipolnische Aussagen betonten. Er erhielt einen sehr geringen Lohn, hatte aber die Gelegenheit, unter Mithilfe eines Freundes ab und an Gemüse und Obst zu stehlen und so die Versorgungsprobleme der Familie zu lindern. Bezeichnend für seinen rechtlichen Status war, dass er nicht sozialversichert war und im Falle einer Erkrankung trotz schwerer Arbeit nicht auf ärztliche Hilfe zählen konnte.

Den Erlebnissen Stefaniaks während der letzten Kriegs- und Besatzungsmonate und der ersten Zeit nach der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee ist ein gesonderter Artikel gewidmet.

7 Kommentare

  1. geschrieben am 25. März 2009 um 15:58 Uhr | Permalink

    Gerhard Jeske .Fotograf-Franzosenkoppel 32, 22457 Hamburg
    1933-1945 Nationalistischer Terror in Danzig.
    Ich habe die Entwicklung in der Freien Stadt Danzig Stadt schon als Junge, als nationalsozialistisch geprägte Geschichte miterlebt und habe deshalb ein Verhältnis zur deutschen Geschichte bekommen, das mit Gewalt gegen Andersdenkende belastet ist.
    Weil Danzig als Freie Stadt nicht zum Deutschen Reich gehörte und die Juden deshalb nicht einkassiert werden konnten, gelang vielen von Ihnen bis 1939 die Auswanderung.. Aber nach dem 1.September, dem Überfall auf Polen, wurde dann östlich von Danzig, an der Ostseeküste das Konzentrationslager Stutthof errichtet. Dieses KZ-Lager wurde hauptsächlich für die polnische und kaschubische Minderheit, für Zigeuner Juden und für deutsche Oppositionelle erbaut und zwar eigenmächtig, ohne wissen des Reichsführers Himmler.
    Gleichzeitig begannen die Liquidierungen vor Ort in Danzig , Gdingen und der Kaschubei . Diese Morde wurden durch Danziger Kommandos durchgeführt. Zu diesem Zweck hatte der Danziger Senat die SS-Gruppe “Eimann” aufgestellt
    Es wurden durch die Danziger SS und den “Selbstschutz” Polnische und Kaschubische Intellektuelle, also Pfarrer, Lehrer, Funktionäre der polnischen Minderheit, ermordet. Diese Liquidierungen wurden durchgeführt vor den Dörfern, auf Friedhöfen und im großen Stil nordwestlich von Danzig ( hinter dem Städtchen Neustadt - ( Wejherewo ) in dem Wald Piasnica Wielki. Nach dem 1. September 1939 bis über den Winter 1940 wurden in Piasnica und der Kaschubei an die 12 Tausend Kaschuben und Polen ermordet. Dazu an die 3000 Deutsche Insassen aus den Krankenanstalten von Pommern und den eroberten Gebieten Danzigs. ( Von den Deutschen wurde in der polnischen Geschichte nicht berichtet.) Aus dem Reich wurden die polnischen Saisonarbeiter, besonders aus der Landwirtschaft, bei Nürnberg in einem Lager gesammelt, nach Piasnica transportiert und gleichfalls liquidiert. Der Beginn dieses Massenmordes an der slawischen Bevölkerung in Danzig und der Kaschubei, besonders der Massenmord in Piasnica , ist in der Presse der BRD kaum behandelt worden und oft habe ich, an die Presse, auch an Rundfunkanstalten dazu Artikel eingesandt, meistens erhielt ich nicht einmal eine Bestätigung meiner Zusendung.
    Die Vernichtung der polnischen Intellegenz lag vor der Wannseekonferenz.
    In Danzig hatte der Senat und die NSDAP die gleichen rassistischen Ziele verfolgt und sogar ohne Berlin zu fragen mit der Liquidierung der nichtdeutschen Bevölkerung begonnen. Das KZ. Stutthof war das konsequente Ergebnis dieser bürgerlichen Ideologie in der Freien Stadt Danzig. Wie die meisten deutschen Akademiker und Bürger im Dritten Reich agitierten, so handelte man auch in der Freien Stadt Danzig. Weil das deutsche Bürgertum sich zur Elite erklärt hatte, war es seinem Wesen nach antidemokratisch und auf eine Ordnung fixiert, die Ihren Stand als Elite gewährleistete. Deshalb war die nationalsozialistische Diktatur ihre angemessene Herrschaftsform geworden. So auch in Danzig.
    Nachdem Krieg konnte es deshalb geschehen, dass die Bürger über sich selbst zu Gericht sitzen sollten. So kam es zu dem bekanntem Ergebnis. Nazi Verbrecher tauchten unter, flohen, mit Hilfe katholischer Kreise ins Ausland. Richter sprachen sich selbst frei, von der historischen Schuld.
    Die ehemaligen Danziger standen als „sogenannte Vertriebene“ - im Windschatten der Geschichte und im eigenen Interesse erinnerten sie sich nicht an das KZ- Stutthof oder an Piasnica. So konnten sie unerkannt, unter der Märtyrer Pose, den Finger auf die Polen richten, und über alle Jahre vom Unrecht der Vertreibung und Enteignung durch die Polen reden, ohne dass sie ihre Verbrechen an der polnischen Minderheit in Danzig und in Polen zugaben , geschweige denn aufarbeiteten,
    Meines Wissens hat die Zeitung des Bundes der Danziger in Lübeck bisher keine Gesamtdarstellung der Verbrechen an den Danziger Minderheiten veröffentlicht. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass auch dieser Artikel bei Ihnen ungedruckt abgelegt wurde. Frau Steinbachs Familie wohnte, als militärische Besatzer, im annektierten Polen bei Danzig , in der die Deportationen und Liquidierungen 1939 anfingen. Ihre Kritik an den Polen, Verbrechen an Deutsche anzuerkennen, fällt deshalb auf sie selbst zurück. .Ihre Forderung ein Museum der Vertreibung einzurichten ist deshalb unaufrichtig und dient der Propaganda gegen Polen.
    _ Jeske Gerhard Franzosenkoppel 32- 22547 Hamburg – gerhardjeske@web.de copyr.
    _____________________________Kriegsende in Danzig –
    1945 2009- 70 Jahre danach und kein Ende der Lügen.
    ________________________________________
    Die Aussage, dass Danzigs Innenstadt wenig zerstört wurde, ist falsch. Ab dem 26.03. 1945 begann das Trommelfeuer auf Danzig aus 1200 Geschützen, begleitet mit englischen Luftangriffen. Ebenso wurde der Befehl ” Verbrannte Erde” durch deutsche Pioniere angewandt. Die schweren deutschen Schiffsgeschütze und die 8,8 Geschütze aus der Niederung schossen in die Stadt zurück um die Infanterie zu unterstützen. die Feuerwehr flüchtete aus der Stadt, weil nichts mehr zu retten war. Viele Berichte bestätigen, dass die historische Innenstadt durch den Feuersturm der Selbstentzündung bis zum 28/29.3.ausgebrannt war. Erst in der Frühe, gegen sechs Uhr, drangen die sowjetischen. Soldaten in die Häuser am Wallplatz bis zu Trumpfturm ein. Ich befand mich mit meiner Mutter und zwei Brüdern in einem Keller. Zu diesem Zeitpunkt war Danzigs Altstadt völlig ausgebrannt. Weil die deutschen Pioniere die Verpflegungslager in die Luft gejagt hatten, sowie die Schokolade-Fabrik an der Ecke Poggenpfuhl , und andere Magzine, blieb die restliche Bevölkerung, mit dem Hungertode im Nacken, zurück, dass interessierte die Wehrmachts-Generalität nicht. Sie kapitulierte nicht und beantwortete keine Kapitulations-Angebote des sowjetischen Generals, nach dem Motto, dass das Deutsches Militär nicht mit Untermenschen verhandeln konnte. Damit war der Untergang Danzigs besiegelt.
    Im März 1945 wurde der Jahrgang 1928/29 einberufen. Wir wurden in der Jugendherberge auf dem Bischofsberg kaserniert. Dort traf ich einige Kameraden aus dem KLV-Lager wieder. So sah ich, nach einem Geländemarsch, unseren Stuben Ältesten wieder, er stand in einem Schützenloch und war bewaffnet mit einer Panzerfaust, von dort aus sollte er die Jugendherberge gegen russische Panzer, die hinter der Front operierten, verteidigen. Später sind einige Kameraden umgekommen, oder mit einem Schiff untergegangen. Ich ließ mich aus der HJ-Kompanie entlassen, auch die Drohung mich ins KZ – Stutthof zu bringen, schüchterte mich nicht ein. Meine Mutter konnte nichts entscheiden, weil, dass Elternrecht aufgehoben worden war. Kinder sollten den Rückzug der Wehrmacht decken. Sie gönnten nicht mal den Jugendlichen das Leben und sie halfen nach, sie umzubringen, indem sie viele erhängten, wenn sie ihnen nicht zu Willen waren.
    Mein Freund Lothar Hagen erwischte es am Umfluter Deich vor der Brücke, die zum Hühnerberg führte. Er starb durch einen Granatsplitter, der ihn in den Hinterkopf traf. Dort wurde er an einem Rotdornbaum begraben. So erlebte ich den Untergang unserer schönen Stadt und den Tod vieler Menschen. Oft, wenn ich in Danzig war, besuchte ich die Stelle seines Grabes, und setzte mich dort hin um Zwiesprache zu halten, warum man die deutschen Offiziere, die Kinder in den Kampf geschickt hatten, nicht als Kindermörder bestrafte. Die angeblichen Hitlerjugendkompanien wurden nicht von HJ-Führern geleitet sondern vom Militär. Das wird immer unterschlagen. Diese ehrlose Gesinnung des deutschen Militärs ist nie als Kriegsverbrechen benannt worden.
    Vielleicht ist noch jemand am Leben. Ich würde mich freuen, über diese Zeit Erinnerungen auszutauschen. Ich grüsse alle Leidensgenossen, aber auch diejenigen, welche es besser angetroffen hatten.
    Gerhard jeske copyr.

  2. geschrieben am 3. Mai 2009 um 09:22 Uhr | Permalink

    Danziger ehemalige polnische Schüler
    im KLV-Lager Adolfs - Dorf - Kr. Wirsitz.-
    von Gerhard Jeske
    Nach dem Einsatz in der Kartoffelernte bei Konitz, erhielten wir anfangs November 1943 den Bescheid mit gepackten Affen ( H-J-Rucksack) oder Koffer im Hauptbahnhof anzutreten.
    Wir wurden von unseren Müttern und Geschwistern verabschiedet, bestiegen den Zug und fuhren einem unbekanntem Ziel entgegen. In Bromberg und Nakel mussten wir umsteigen. dann fuhren wir mit einer Kleinbahn weiter. Abends hielt der Zug auf freier Strecke und wir stiegen aus. Gegenüber.des Kleinbahndammes stand eine alte Schule und im Garten sahen wir ein zweites flaches Gebäude. Zur linken Seite war die Schule einen Kilometer vom Schloss Herreneichen entfernt, ein polnischer Graf war vor 1939 der Besitzer gewesen, den hatte man enteignet, Zur rechten Seite lag an der Landstrasse und vor der Kleinbahnstation ein polnisches Dorf, jetzt war es umbenannt in Adolfs - Dorf. Die Polen waren vertrieben worden und Bauern aus Bessarabien wohnten in den bescheidenen Häusern. Drei km weiter befand sich das Rittergut derer von Witzleben, die sich überhaupt nicht um uns gekümmert hatten. Bei schlechter Verpflegung, ohne Elektrisches Licht und fließendem Wasser, hausten wir mit je 40 Schülern in zwei Klassenräumen. Wir waren ein zusammen gewürfelter Haufen aus drei Schulen: Schleusengasse, Lastadie und Schwarzes Meer. Als der Frost 8 - 12 Grad minus erreichte, fror der Brunnen zu, und wir mussten für die Küche das Wasser in Bottichen auf Schlitten vom Dorf holen. Zum Waschen reichte es nicht. Nur am Sonnabend gab es, nach dem Abendessen, heißes Wasser, für jeden eine halbe Blechschüssel voll. Ich meine, dass die letzten Polenkinder, die beim Gut wohnten und zu Hause waren,es besser hatten, als wir Beutegermanen.
    Im Januar mussten wir nachts in der Kälte Wache gehen. (es gab dort pol. Partisanen) Nicht zu zweien, sondern einzeln patrouillierten wir draußen herum. Da ich schon mit dreizehn Jahren nicht furchtsam war, erlebte ich einsame Stunden unter funkelnden Sternen oder fahlen segelnden Wolken bei kaltem Mondlicht, der manchmal den Schnee vergoldete. Leider war unsere Winteruniform so dünn, dass die Kälte bis auf die Haut durchdrang, nach zwei Stunden waren wir durchgefroren, bis auf die Knochen. Bis Ende März 1944 hausten wir in dieser flachen, trostlosen Gegend.
    Im KLV Lager Adolfdorf im Kreis Wirsitz, war auch mein Freund von der polnischen Minderheit dabei. Der besuchte dort, mit drei oder vier Jungens, in der HJ Uniform, den polnischen Schuster. Den hatten die Nazis nicht deportiert, denn auch den angesiedelten Bauern aus Bessarabien mussten die Schuhe besohlt werden. Hans Olschewski nahm mich eines Abends mit, um mich der Familie vorzuführen. Warum, dass erzähle ich ihnen jetzt. Ich war ein kleiner zäher, nicht unbegabter Junge, schön anzusehen, mit einem zarten Milchgesicht. Der Gefolgschaftsführer im KLV-Lager schikanierte mich. Er fand jeden Tag einen Grund, um mich und einige andere Jungens, nach dem Abendessen auf sein Zimmer zu bestellen. Hier mussten wir zur Strafe jede Menge Kniebeugen, Liegestütze und in der Hocke den Entengang machen, manchmal mit einer halbvollen Waschschüssel in den vorgestreckten Händen. Ein Junge nach dem anderen fing an zu keuchen, bis er sagte „ Gefolgschaftsführer, ich kann nicht mehr.“ Der nannte ihn einen Schwächling und lies ihn gehen. Ich machte diese Strafgymnastik weiter und gab nie auf, bis es ihm zu viel wurde und er mich rausschmiss.
    Vor Weinachten durfte ich mit einem Kameraden nach Danzig fahren, um selbst gebasteltes Spielzeug für Kriegswaisen in der KLV- Lager Leitstelle auf der Fröbelwiese abzugeben.
    Es war schon gegen 20 Uhr als wir dort ankamen. Wie ich mich dort meldete, und der HJ- Führer den Namen unseres Lagers hörte, lief er zu einem Zimmer, er riss die Tür auf und schrie hinein. „ Da sind zwei aus Adolfs - Dorf. Sofort erschienen einige HJ – Unterführer, um die frechen Lümmel anzustaunen. Die waren aber erstaunt, als sie die kleinen Luntrusse vor sich sahen. Na, wir mussten eine Stunde warten und dann übergab uns ein Kamerad unsere Koffer, die waren vollgefüllt, mit Sachen, die wir nicht kannten. Wir schleppten die zwei Koffer zur Straßenbahn-Haltestelle und fuhren bis zum Hauptbahnhof. Dort stiegen wir aus, schleppten die Koffer zur Gepäckannahme und gaben sie als Wartegut auf. Dann fuhren wir nach Hause. Mein Kamerad mit der Lore 4 bis Ende Langgarten, dort wohnte er und ich mit der Linie 5 bis zur Endstation Ecke Hühnerberg – Thornscher Weg, Von dort musste ich noch fünfzehn Minuten durch die Dunkelheit nach Walddorf gehen. Meine Mutter war überrascht als ich die Wohnung betrat. Aber wie sah es dort aus? Das elektrische Licht leuchtete nur mit schwachem Strom. Mein kleiner Bruder röchelte mir mit einer Lungenentzündung aus dem Bett entgegen. Damals kam man damit nicht ins Krankenhaus. Ein kleines Tannenbäumchen stand auf der Nähmaschine. Der älteste Bruder leistete nächtlichen Luftschutzdienst auf einem Speicher. Der Vater auch nicht zu Hause. Das wirkte sehr miserabel auf mich. Schnell hatte meine Mutter Brot und geräucherten Pomuchel aufgetischt, dabei erzählte ich ihr einiges aus dem Lagerleben und warum wir nicht den Konfirmanden Unterricht auf dem Rittergut derer von Witzleben besuchen wollten, und das ich morgen noch Urlaub hätte und die Familie Olschewski besuchen wollte.
    Am Vormittag des anderen Tages sah die Umgebung freundlicher aus. Im Garten lag heller Schnee, gegen das westliche Himmelsblau schickte die Sonne ihre goldenen Strahlen durch die Äste der Obstbäume. Ich verließ unser Haus und spazierte bis zu Spielplatz. Stille ringsherum. Kein Hund bellte, die waren, um Lebensmittel zu sparen, längst liquidiert worden. Weit und breit kein Nachbar zu sehen. Walddorf wirkte menschenleer, wie ausgestorben. Nach dem Mittagessen machte ich mich fertig um Frau Olschewski und ihre Tochter aufzusuchen. Nun erfuhr ich von meiner Mutter, dass der Vater von Hans im KZ.- umgekommen war und dass seine Schwester und Mutter auf dem Bodenzimmer eines Speichers in der Hopfengasse leben mussten, Sie sollten dort Tag und Nacht Feuerwache halten. Abends wurde die Tür unten abgeschlossen, niemand konnte sie deshalb besuchen. Ich hatte die schwarze HJ-Winteruniform angezogen und meine Mutter fragte erstaunt, ob ich so angezogen dorthin gehen wollte. Warum nicht „ meinte ich, wenn ein Zivilist die Beiden besucht könnte das einen üblen Verdacht auslösen.“ In einem kleinen Zimmer mit winziger Küche hauste die Mutter und Schwester auf dem Speicherboden. Die Schwester, eine ehemalige Abiturientin, beherrschte schon vier Sprachen. Beide waren sehr mager, denn sie erhielten nicht die vollen Lebensmittelmarken. Ich nahm, nach unserer Unterhaltung, ein Buch mit Zauberkunst-Stückchen mit. Angeblich wollte Hans Olschewski uns daraus etwas vorführen. Das hatte er nie getan, denn das Buch war sicherlich für Andere bestimmt. zum Beispiel, wie man sich aus einer Fessel befreien konnte. Ich hatte es mir im Zug genau angesehen.
    Am anderen Tag verabschiedete ich mich vom Rest der Familie und fuhr zum Hauptbahnhof. Wir hatten uns um 11,30 dort verabredet. Nachdem wir die Koffer ausgelöst hatten, reihte ich mich in die Schlange am Fahrkartenschalter an. Als ich am Schalterfenster stand, fragte mich die Beamtin nach der Reiseerlaubnis. Ich war baff. Sie erklärte mir, das ab 24 Uhr diese Verordnung gilt, deshalb durfte sie mir keine Fahrkarten verkaufen. Ich schaltete sofort einen Schnellgang im Gehirn ein. Lief schnell über die Straße zur Elisabethgasse zur Polizeiwache und erklärte dem Polizisten meine Lage. Der schrieb einen Antrag aus, genehmigte die Abfahrt und damit versehen peste ich zurück und erhielt die Fahrkarten, der Zug sollte , wenn ich es richtig erinnere um 12,o5 abfahren nach Bromberg. Wir hatten fünf Minuten Zeit um den richtigen Bahnsteig zu erreichen. Das klappte auf die Sekunde genau. Kaum hatten wir die Koffer durch die Tür gewuchtet, pfiff der Beamte die Abfahrt an. Wir waren vorerst beruhigt, nach zweimaligen umsteigen erreichten wir gegen 19.00 Adolfs - Dorf. Jetzt begann das Kofferschleppen, über den Bahndamm zur Lager-Schule. Der eine Henkel vom Koffer war abgerissen, meinen Schulterriemen hakte ich in die Metall- Öse ein und zog den Koffer, wie einen Schlitten über den Schnee hinter mich her.
    Wie erstaunt waren wir, als die Koffer geöffnet waren und wir erkannten, was darinnen lag. Eine Menge Kriegsbücher, die niemand lesen wollte, ein kleines Repetiergewehr. Und ein Radio, das wir nicht gebrauchen konnten, weil wir keinen Elektrischen Anschluss hatten. In unserem Zimmer brannte nur noch eine Petroleum-Lampe mit halbem Zylinder.
    Am Nächsten Morgen landete ich meine große Überraschung und es sollte mein erster, gefährlicher politischer Witz werden. Ich hatte eine Landkarte von Russland mitgebracht, dazu kleine Nadeln mit roten Fähnchen. Die Karte heftete ich an die rechte Seite der Wand vor der Tür, die zum Frühstücksraum führte. Dann steckte ich die roten Fähnchen in den Frontverlauf ein, der sich im Mittelabschnitt auf der Linie Kiew- Shitomir abzeichnete. Nach der primitiven Weihnachtsfeier, wurden die letzten Briefe verteilt einige Jungen ergriff das Heimweh und sie heulten los.. Ich interessierte mich für die Zeitung aus Danzig, die auch eingetroffen war und rückte die Fähnchen bis zur Markierung der Stadt Shitomir vor. Die Stadt war von der deutschen Armee im November zurückerobert worden. Aber wie es aussah, wogten um die Stadt schwere Kämpfe hin und her. Anfang Januar, in der nächsten Zeitung, las ich, dass Shitomir , im Verlaufe einer Frontbegradigung aufgegeben worden war. Nun gibt es ein Wortspiel. Im Plattdeutschen heißt ein Spruch.“ Schiets du mir, so ich Dir“ also - scheißt Du mich an, so ich dich auch.“ Und Schiet, in deutsch und schitomir im russischen, klingen sehr ähnlich. Ich stecke morgens die Fähnchen um. Hinter mir staand der Gefolgschaftsführer, und einige Pimpfe, die am Frontverlauf sehr interessiert waren. Darunter waren Jungens von der polnischen Minderheit, wie ich einige Tage später erfahren sollte. Der Gefolgschaftsführer fragte mich „“ Na, wie sieht die Lage aus.“ Ich ziehe ein Fähnchen heraus und stecke es um und sage.“ Shitomir so ich dir !“ Ruckartig wendete der Gefolgschaftsführer sich ab und ging in den Frühstücksraum. Der hatte das Wortspiel begriffen, denn er kam aus einer Stadt in Westfalen, wo man auch Niederdeutsch verstand. Am nächsten Tag war die Karte entfernt worden und ich noch mehr in Ungnade gefallen.
    Jetzt wollte der Gefolgschaftsführer mir eins Auswischen. Beim Mittagessen verlangte er absolute Ruhe. Plötzlich sprach ein Junge, ein oder zwei Worte. „ Wer hat da gesprochen“ fragte der Gefolgschaftsführer mit harter Stimme. Niemand meldete sich. Er wiederholte seine Frage. Wieder meldete sich kein Junge. Nun schrie der Gefolgschaftsführer los „ Jeske du warst es. Was hast du gesagt?“ Ich schwieg. Er wiederholte die Frage und dann kam der Hammer, er wollte mich einer Dienstverweigerung überführen. Also sagte er. „ Ich gebe Dir den dienstlichen Befehl: Was hat Du gesagt.
    „ Nichts sagen, hieß einen Befehl verweigern. Ich musste etwas antworten und sagte „ leck mich am Arsch“ Stille war, einen Floh hätte man husten hören können. Nach einer Atempause. „ Du solltest mal Deine Personalakte sehen. Aus Dir wird nichts mehr werden.“ Nun konnte ich allezeit hoffen, dass wir so schnell wie möglich den Krieg verlieren müssen.
    Ein oder zwei Tage später lud mich Hans Olschewski ein, ihn abends zu begleiten. Nach dem Abendessen gingen wir über das Schneefeld zum Dorfrand. Unvermittelt sagte Hans, dass sein Vater an einem Hirntumor verstorben war. Ich wusste Bescheid, dass war sicherlich ein Schlag über den Schädel oder eine Pistolenkugel gewesen, sagte aber nichts. Vor einer Kate blieben wir stehen. Er öffnete die Tür und schob mich hin ein. Mattes gelbliches Licht umfing mich , vermischt mit Dampfschwaden, die aus der Tür in die Kälte schwebten. Ich befand mich in der Wohnküche. In der Mitte des Raumes stand ein 3-4 jähriges Mädchen in der Wanne, die Mutter seifte den nackten Körper ein. An der rechten Seite stand der aufgeheizte Herd. Die Oma bereitet das Abendessen vor. Links an meiner Seite standen drei oder vier Jungens, angezogen mit der HJ- Winteruniform. Das waren sie also, die Bowkes von der illegalen polnischen MINDERHEIT: In der linken Ecke des Raumes saß der Schuster an seinem Arbeitstisch. Er schaute mich prüfend an, legte den Hammer aus der Hand und sprach dann leise mit Hans Olschewski. Was er erzählte weiß ich nicht, darüber schwieg Hans sich aus. Hier suchten die polnisch-katholischen Jugendlichen etwas Familienersatz. Hier erlebten sie das, was die Hitlerjugend ihnen verweigerte und auch nicht ersetzen konnte.
    Nach einigen Minuten drehte sich Hans zu mir um, nickte mit dem Kopf und wir verließen die Familie., Aus der gemütlichen feuchte Wärme in die sternenklare Winternacht zu treten schockte uns und ließ uns die Kälte bis auf die Rippen fühlen. , schnell zog die Ohrenklappen herunter, und steckte meine Hände in die Hosentaschen. Schweigend schlurften wir über den Schnee der alten Schule entgegen, die mir jetzt wie ein Straflager für deutsche Jugendliche vorkam. g.jeske copyr.

  3. geschrieben am 6. Mai 2009 um 14:33 Uhr | Permalink

    Gerhard Jeske - Dokumentar-Fotograf 22547 Hamburg

    Der Untergang der Wilhelm Gustloff
    eine unerledigte Akte-
    Die Versenkung der Wilhelm Gustloff wurde nach 1945 in der BRD ausgiebig behandelt, wobei eine propagandistische Tendenz gegen die “unmenschliche” sowjetische Marine vorherrschte.
    Dabei war das Risiko versenkt zu werden für jedes Schiff gleich. So konnte eine See-Mine ein Schiff zerreißen. Das wäre eine anonyme Form der Versenkung gewesen. Eine Mine erkennt nicht, ob es ein deutsches, schwedisches oder sowjetisches Schiff ist, ein Kriegsschiff oder Rotes Kreuz-Lazarett. Welches Schiff auch immer, es wird beschädigt oder versenkt, Bleibt noch zu berichten, dass, das Institutes für Seerecht in Kiel feststellte, dass an Bord hunderte U-Boot Spezialisten mitfuhren und an Deck Flak Geschütze montiert waren, diese Fakten machten die Gustloff zum Kriegsschiff.(Miller/Payne -Heyne Buch.)
    2. Ein Angriff von Flugzeugen war jederzeit zu erwarten
    3. Die Versenkung durch sowjetische U-Boote möglich.
    4. Ein falsche Beobachtung auf der Brücke eines deutschen Kriegsschiffes konnte ein Flüchtlingsschiff in den Untergang schießen.
    So wurde die ” Neuwerk ” mit 900 Flüchtlingen an Bord von deutschen Schnellbooten versenkt. Nur drei Menschen überlebten diese Katastrophe. Der Kapitän hatte den Dampfer für ein russisches Schiff gehalten.
    Damit die volle Wahrheit nicht ans Licht kam, dafür sorgte nicht nur die Marine, sondern auch die Presse.
    Das gilt auch für die Versenkung der Wilhelm Gustloff.
    So ist es nicht verwunderlich, dass der Funker der Wilhelm Gustloff, Rudi Lange, seinen Bericht nach dem Kriege nur auszugsweise, also entschärft, veröffentlichen konnte und selbst, nachdem der Bericht in zwei Folgen in der Zeitung “Unser Danzig “veröffentlicht wurde, fand er in der BRD keine Verbreitung. Es ist erstaunlich, dass dieser wichtige Zeuge des Unterganges beständig verschwiegen wird. Liegt es daran, dass er einige Fakten kannte, die zum Beispiel die deutsche Marine schwer belasteten?
    Der Funker Rudi Lange hat mit einem transportablen Funkgerät an Bord ausgehalten und Hilfe herbeigefunkt, bis ihm ein Brecher die Ohrhörer vom Kopf riss.
    Rudi Lange berichtete, dass die sowjetische Seite, gegen alle Regeln der Kriegsführung, der deutschen Marineleitung wissen ließ, dass sie über den Termin der Abfahrt der Wilhelm Gustloff informiert war.
    Zitat des Funkers: ” 29. Januar 1945 - Radio Moskau meldet, dass die Wilhelm Gustloff am 30.1.45 um 10 Uhr aus Gotenhafen auslaufen werde. Dieser Zeitpunkt war dem Funker selbst unbekannt.
    Zitat des Funkers: 30. Januar 1945 -
    Radio Moskau hat recht, heute kommt per Funk durch, dass die > Wilhelm Gustloff< um 10 Uhr ablegen soll.
    Vorne auf dem Oberdeck ist ein Fundament aufgebaut und darauf eine 2 cm Flakstellung gegen eventuelle Luftangriffe. Die Rettungsboote sitzen fest verschnürt im Bootsdavit. Warum hat man sie nicht klar gemacht. für den Notfall und zum sofortigen Absetzen? Will man keine Angststimmung aufkommen lassen? Auf jeden fall werden die Rettungsboote nicht ausgeschwenkt.
    7.00 Uhr, Durch Funk wird durchgegeben: “Um zwei Uhr ablegen und auf Reede gehen. Von dort sollen wir uns im Geleit sammeln und zum Bestimmungsort fahren, der noch nicht bekannt ist und geheim bleibt. ”
    Nach dieser Aussage des Funkers hat also die deutsche Marineführung auf die Radio-Durchsage aus Moskau reagiert.
    Aber wie ein Luftballon zerplatzt dem Funker Rudi Lange die Hoffnung in einem gesicherten Geleit zu fahren, als der Befehl wieder aufgehoben wird.
    Zitat vom Funker: (Neuer Funkspruch) Wilhelm Gustloff nicht 11 Uhr, sondern 10 Uhr ablegen und auslaufen. Nicht auf Geleit warten. Sofort Weiterfahrt auf bekannter Seestraße Richtung Westen. Alle Meldungen, die ich aufnehme sind streng geheim. Auch nicht über die geringste Kleinigkeit darf ich mit meinen Kameraden und Bekannten sprechen, es würde meinen Kopf kosten.
    Außer Rudi Lange war nur der Kapitän über diesen schrecklichen Hintergrund des Auslaufens der Gustloff informiert. Der verantwortliche an Bord war der Korvettenkapitän Zahn. Der zivile Kapitän fuhr passiv mit, er hatte nichts zu sagen.
    Zitat vom Funker: “Da ein erschütternder Funkspruch.
    ” Sieben russische U-Boote in unserer Nähe! ”
    Ich werde auf besonders strenge Geheimhaltung ausdrücklich hingewiesen.
    Von einem Rudel sowjetischer U-Boote eingekreist dampfte die Wilhelm Gustloff mit mäßiger Fahrt auf bekanntem Seeweg nach Westen. Auf der Höhe von Stolpmünde wurde die Gustloff um 21,40 Uhr vom sowjetischen U -Boot S 13 torpediert. Das Drama war perfekt. Eine schlecht ausgebildete Mannschaft von Kroaten war völlig fehl am Platz.
    Die Rettungsboote fest verzurrt und obendrein noch festgefroren. Da die Wilhelm Gustloff innerhalb einer Stunde sank, hätten bei schnellem Einsatz aller Rettungsboote weitere hunderte Menschen gerettet werden können, so blieb ihnen nur der Sprung ins eisige Wasser übrig. Bleibt zu fragen, warum die Marineführung keinen Versuch gemacht hatte, das Schiff aus der Gefahrenzone zu bringen.
    Nach 1945 wurde die Torpedierung der Wilhelm Gustloff für eine antisowjetische Propaganda
    ausgenutzt. Die Opfer wurden für eine feindselige Politik missbraucht. Coventry, Rotterdam, Leningrad Dresden und zum Höhepunkt des Krieges gegen die Zivilbevölkerung, Hiroshima und Nagasaki, werden so in den Hintergrund verbannt. Jeder kommende Krieg wird eine noch schrecklichere Vernichtung der Bevölkerung zur Folge haben.
    Hier ein paar Fakten: Zitat aus -Mare Balticum 1985: ” Haupthindernis für die Fahrten ist die englische Luftminenoffensive bis vor die pommersche Küste. f.f…
    Von Januar bis Ende März, also für den Zeitraum von drei Monaten liegen folgende Zahlen vor.
    Englische Bomber warfen in 720 Einsetzen 3220 Minen in die mittlere Ostsee ab.
    Davon wurden 67 Schiffe versenkt und 32 beschädigt(davon berichtete die Presse kaum.)
    So bürokratisch werden die Schiffsverluste angegeben. Die Anzahl der Opfer wird nicht erwähnt.
    Während der Transporte müssen an die dreihunderttausend Menschen, hauptsachlich Frauen und Kinder zerfetzt erstickt und ertrunken sein. Einschließlich der Unzähligen, welche an der Küste zusammengeschossen worden sind.
    Die Verschiffung ostdeutscher Zivilisten war keine Rettungsaktion, es war die Durchführung des Hitler-Befehls ” Verbrannte Erde. ” Danach sollte dem Feind nur entvölkertes und zerstörtes Land in die Hände fallen und die Überführung der Menschen, besonders der Jugendlichen nach dem Westen, sollte Kriegspotential für die Weiterführung des Krieges werden. Der Großadmiral Dönitz war als überzeugter Nationalsozialist der Vollstrecker dieses Planes. Mit seiner Kriegsmarine hatte er den Krieg mit der Seeherrschaft in der Ostsee mindesten um ein halbes Jahr verlängert, Ungefähr eine Million Deutsche und Ausländer erlitten dadurch einen sinnlosen Tod. Von einer Rettungstat über die Ostsee können nur Zyniker sprechen.

  4. geschrieben am 23. Mai 2009 um 17:31 Uhr | Permalink

    gerhard jeske hamburg copyright
    Redaktion
    gesendet wird am 5.6.1996 in Hamburg. (+ Berlin UKW 92)
    Flucht und Vertreibung vor 1939 und in Danzig
    Ich beginne meinen Bericht mit einer Frage:
    :Konnten Ihre Großeltern sich vorstellen, dass das Land östlich der Oder und Weichsel vom Deutschen Reich abgetrennt werden könnte ?
    Nein ? So etwas wäre unvorstellbar gewesen.
    Moment mal! Da gab es einen Preußen, der konnte sich das vorstellen. Es war der Märkische Schriftsteller Theodor Fontane .
    In seinem Brief vom 5.8.1893 schreibt er folgende politische Perspektive auf.
    “Niemand ist im geringsten von der Sicherung unserer Zustände überzeugt; das eroberte kann wieder verloren gehen Ost und Westpreußen auch, und ein Polenreich, was ich über kurz oder lang für wahrscheinlich halte, entsteht aufs neue.”
    Das sagte Fontane in einer Zeit, wo das zweite Deutsche Reich sich industrialisierte, angeblich vor militärischer Kraft strotzte und in der Weltpolitik kräftig mitmischte.
    Und es kam wie Fontane es vorausgesagt hatte.
    1918 ging für Deutschland der erste Weltkrieg verloren;
    Sofort begann die Vertreibung von Menschen aus verschiedenen Ländern.
    Viele Deutsche verließen Polen, Schlesien und aus der Kaschubei, Damals wanderten sie noch freiwillig aus , ebenso zog es etliche tausend Polen aus Pommern und dem Ruhrgebiet wieder zurück in die alte polnische Heimat.
    Dieser Transfer von Menschen vollzog sich unter gesetzlichen Rahmenbedingungen, die es erlaubten entweder zu bleiben, die Staatsangehörigkeit des Landes anzunehmen oder auszuwandern, mit der Möglichkeit, seinen Besitz zu verkaufen .In den zwanziger Jahren tauchte schon eine Besonderheit in der Propaganda auf. Sie macht sich bemerkbar im Nordosten Europas. Dort kam es zwischen dem Baltischen Völkern und den dort seit Jahrhunderten eingesessenen Deutschen, besonders den Adligen, zu politischen Zusammenstößen, die im Bürgerkrieg endeten. Nach dem Sieg der bürgerlichen Regierungen entzogen diese, besonders den deutschen Gutsbesitzer per Gesetz die wirtschaftliche Grundlage. Daraufhin verließen viele Deutsch-Balten ihre Heimat und zogen nach Deutschland Ende der dreißiger Jahre wurde diese Abschiebung aus dem Baltikum hinter dem Rücken der Betroffenen organisiert. So schloss die Nationalsozialistische deutsche Regierung mit den Regierungen der Baltischen Staaten Umsiedlungsverträge ab, in denen auch über die Abwicklung der Vermögen entschieden wurde. Völlig unvorbereitet wurde die Deutsch-Baltische Volksgruppe mit dem Ergebnis der Umsiedlungsverträge konfrontiert.
    Nach Deutschland umgesiedelt wurden aus Estland 13.700 Personen, aus Lettland ungefähr 52.000.
    Es waren also bürgerliche Regierungen, die die ersten Umsiedlungen im Osten durchführten. Trotzdem blieb eine größere Anzahl im Lande zurück. Als durch den geheimen Zusatzvertrag zwischen Hitler und Stalin die Baltischen Länder in das Interessengebiet der Sowjet Union fiel wurde zwischen Berlin und dem Kreml eine Nachaussiedlung beschlossen und durchgeführt.
    Bis 1941 wurden 7000 Personen aus Estland und 10.500 aus Lettland nach Deutschland verfrachtet.
    Das Paradoxe in der Geschichte des 19.Jh. wird hier deutlich. Obwohl viele Deutschstämmige im Baltikum ihre Heimat verloren hatten, gab es weder von Ihnen noch von der deutschen Außenpolitik starke politische Reaktionen gegen diese Länder .Weil man das Baltikum politisch gegen den Kommunismus als westlichen Vorposten brauchte, deshalb verzieh man ihnen den Bruch mit der deutschen Minderheit. So wurde von 1939-1941 eine 750 jährige gemeinsame Geschichte willentlich beendet.
    Diese Fakten zeigen, dass die Nationalsozialisten die Vertreibung, oder wie sie es nannten Umsiedlung von Deutschen oder ausländischen Minderheiten zu ihrem Programm erhoben hatten und brutal anwandten.
    Ich beschränke mich jetzt in meiner Darstellung auf Danzig und seine Umgebung. Der Heimatverlust beginnt schon in der Heimat und zwar, indem man einer Minderheit oder politischen Gruppe ihre kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Basis wegnimmt, sie zerstört.
    Die Danziger Bevölkerung hatte 1933 und 1935 mit über 53% die Nationalsoziali¬sten gewählt. Unter dem Gauleiter Forster und dem braunen Senat wurden ab 1933 alle demokratischen Parteien verboten. Zuerst mussten Mitglieder der Linken Parteien aus Danzig fliehen, diese Flucht vor der Nazi Gestapo nennt man vornehm-„Emigration“.
    Noch schlimmer traf es die jüdischen Bürger der Stadt Danzig.
    Der Antisemitismus hatte in der Hansestadt Danzig Tradition. Schon im Mittelalter waren es wirtschaftliche Gründe, die den Juden das Wohnrecht und Bürgerecht in der Hansestadt Danzig verweigerten. Auch polnische Könige praktizierten ihre Politik mit Minderheiten oft nur aus wirtschaftlichen Erwägungen. Die theologisch ideologischen Gründe erfand die Katholische Kirche dazu. Jedenfalls hatte der polnische König Kasimier im Jahr 1457 den Danzigern das große Privileg bestätigt, dass bestimmte: ” dass kein Lombarde, Nürnberger, Schott-Engländer oder Jude soll der Stadt Freiheit genießen.”
    Das Privileg war also nicht nur gegen die Juden gerichtet. Es war somit nicht rassisch bedingt. Es sollte sich aber zeigen, was die Danziger Handelsherren und Senatoren darunter verstanden.
    Ihre Ausdrucksweise verrät die Tendenz. 1616 forderte die 3. Ordnung die Ausweisung der Juden aus Danzig und das Verbot ihres Gottesdienstes. Die Danziger Repräsentanten erklärten, “dass sie Gott dankten, dass sie dieses schädliche und landverderbliche Ungeziefer losgeworden sind.” So sprach man in Danzig im Jahr 1616
    So ähnlich hatte 1933 die Zeitung der SS der Stürmer geschrieben. ‘Und tatsächlich, 336 Jahre nach der antisemitischen Maßnahme des Senates, verkündet der Nazi-Gauleiter von Danzig Albert Forster;
    ” Die Erkenntnis der Judenfrage und die rücksichtslose Bekämpfung des Judentums ist für jeden Nationalsozialisten selbstverständlich. Dazu gehört auch, dass keiner weder beim Juden kaufe oder etwa zum jüdischen Arzt gehe. ”
    Der spätere evangelische Bischof Dibelius schreibt im Berliner Evangelischen Sonntagsblatt.
    „Schließlich hat sich die Reichsregierung genötigt gesehen den Boykott jüdischer Geschäfte zu organisieren .Dagegen wird niemand im Ernst etwas einwenden können.”
    Ohne die historischen Wurzeln des Hasses auf Andersdenkende und Minderheiten in der Geschichte zu erkennen, werden wir die radikal nationalistischen Entwicklungen in Mitteleuropa nicht begreifen. Deutschland allerdings wurde hier ein extrem negatives Beispiel. Zur Abgrenzung gegen Juden und Polen gehört auch, dass es schon ab dem 16.Jhr. hieß “Danziger Bürger kann nur werden, wer deutscher Zunge ist.“
    Und 1938 wird diese Praxis per Gesetz so verkündet:
    “Beamter kann nur werden, wer deutschen oder artverwandten Blutes ist.” Hitler hat diese Praktiken nicht erfunden, sowohl die Kirchen, als auch das Bürgertum waren die Vorläufer dieser Politik immer gewesen. Die Vertreibungen waren somit programmiert worden.
    Ab 1933 übernahm der Nazi- Senat und die braune Bürgerschaft in Danzig alle antisemitischen Gesetze von Berlin. Es wurden nun durchgeführt: Berufsverbote für jüdische Ärzte, Juristen, Redakteure für Künstler und andere Sparten. Die Juden wurden gezwungen ihren Besitz billigst zu verkaufen, einschließlich der Synagoge,
    und auszuwandern. Glücklicherweise gelangten so die meisten Juden ins Ausland. Bis auf einen kleinen Rest der jüdischen Gemeinde war Danzig bis zum Kriegsausbruch fast Judenfrei geworden. Wem es nicht gelang auszuwandern, den sahen die Familien später nicht wieder.
    Die vorläufige Bilanz ergibt:
    Die baltischen Regierungen vertrieben, mit Zustimmung der deutschen Reichsregierung die eingesessenen Deutschen und die deutsche Danziger Regierung der Freien Stadt Danzig vertrieb bis 1939 die Juden und politisch Andersdenkende.
    Und nun kommen die Polen an die Reihe, und das neunzehnte Jahrhundert kommt so richtig in Fahrt.
    1938 wurde vom Bibliographischen Institut in Leipzig Mayers großer Atlas herausgegeben. Eine Karte heisst : Deutsche Staaten und Interessengebiete im Osten. Auf dieser Karte ist die -Freie Stadt Danzig, mit ihren Grenzen nicht mehr vorhanden, ebenso gibt es auf dem Kartenblatt keinen polnischen Staat mehr.
    Dieses Beispiel zeigt. dass der Drang nach dem Osten kein einsamer Einfall von Hitler gewesen ist, sondern allgemein auf breiter Basis vorbereitet wurde.
    Hitler hatte ab 1.September 1939 die neue Expansion gen Osten gestartet, unter einer religiösen Verschleierung ” der so genannten “Höheren Vorsehung” genauer aber; aus pro deutschen, kapitalistischen Gründen. und den Lebensraum, sprich neue Rittergüter für seine Vasallen, zu gewinnen.
    Wie das geographische Album von 1938 demonstriert ging es gar nicht um Danzig, sonder Polen sollte von der Landkarte verschwinden.
    Es war klar, dass mit dem Überfall auf Polen die massenhafte Flucht und Vertreibung begann. Sie wurde in Berlin und Wien vorbereitet und besonders SS-Führer aus Bayern sollten in Danzig die Liquidierungen und Vertreibungen durchführen. Der Danziger Senat schuf dafür die Plattform.
    Um keine Behauptungen zu verbreiten, zitiere ich aus dem Bericht über die Aufstellung, Einsatz und Tätigkeit des SS-Wachsturmbann E. (Eimann) Niedergeschrieben vom - Höheren SS und Polizeiführer Danzig-Westpreußen- Hildebrant
    1. Aufstellung :
    Der Wachsturmbann E. wurde am 3.Juli 1939 als Polizeiverstärkungssturmbann auf Befehl des SS- Brigadeführers Schäfer durch Senatsbeschluss der’ Freien Stadt Danzig aufgestellt. SS-Brigadeführer Schäfer war derzeit mit Verfügung vom 20.6. 39 zum alleinigen Bevollmächtigten in polizeilichen Angelegenheiten durch Senatsbeschluss Nr 290 ernannt. Dieselbe war nötig, weil die Danziger Polizei bei weitem nicht ausreichte und für zahlreiche Sonderaufgaben ungenügend geschult war. Der Sturmbann besteht ausschließlich aus SS-Männern und zwar aus 4 Hundertschaften und 1 Kraftfahrstaffel.
    2. Aufgaben
    Aufgaben des Sturmbannes waren in den Monaten Juli, August und September 1939 folgende:
    1. Schutz der lebenswichtigen Betriebe in der Stadt Danzig und im Freistaat Gebiet.
    2. Verstärkung der Revierpolizei.
    3. Begleitkommando beim Abtransport von Schwerverbrechern aus den Danziger Gefängnissen auf dem Seewege nach Swinemünde ectr.
    6. In der zweiten September Hälfte wurde der SS-Wachsturmbann E eingesetzt zur Sicherung und Säuberung in den ehemals polnischen Kreisen
    Preußisch Stargard, Berent, Karthaus und Neustadt.-
    Hier unterbreche ich diesen Bericht und verweise auf die Bedeutung des Wortes “Säuberungen.”

    Es waren von einheimischen deutschen Bewohnern Namenslisten von missliebigen Polen angefertigt worden. Nach diesen Listen verhaftete und liquidierte der SS-Sturmbann Eimann und Gruppen des ” zivilen deutschen Selbstschutzes” tausende von Polen und Kaschuben.
    Nun kommt in dem Bericht der 8. Abschnitt, der zehntausenden von Nichtdeutschen die Heimat und das Leben gekostet hatte, Ich zitiere:
    Ab Oktober 1939 wurde der Sturmbann eingesetzt bei Durchführung der Evakuierung in Adlershorst und Gotenhafen. Im Laufe der Kämpfe in und um Danzig und bei der darauf folgenden Evakuierung ergab sich die Notwendigkeit, zahlreiche Zivilgefangene festzusetzen. Zu diesem Zweck wurden die Gefangenlager :
    Neufahrwasser, Stutthof, und Grenzdorf eingerichtet.
    Die Bewachung dieser Lager erfolgte durch den Wachsturm Eimann mit 2 Hundert¬schaften, es handelt sich hier nicht um Konzentrationslager, sondern um Durchgangslager für solche politisch unzuverlässigen polnischen Elemente, die zur Evakuierung nach Zentralpolen vorgesehen waren und bis zu ihrer Abschiebung sichergestellt werden mussten. Die Belegstärke der Lager mit Gefangenen umfasst heute. Lager Neufahrwasser = 3000 Gefangene
    Stutthof = 1.100 Grenzdorf = 350
    Hier unterbreche ich das Zitat aus dem Dokument des höheren SS Führers von Danzig, Dieses Dokument beweist dass die Vertreibung von Polen aus Danzig und Westpreußen, ebenso aus Pommern, Ostpreußen und Schlesien vorbereitet war und brutal durchgeführt wurde. Wir werden in dem Dokument lesen, dass es auch zu vorgesehenen Liquidierungen gekommen ist.
    Ich zitiere weiter aus dem Dokument.
    “Die weiteren zur Verfügung stehenden 2 Hundertschaften des Sturmbannes wurden im Oktober, November und Dezember 1939 folgendermaßen eingesetzt:
    . Als Transport- Begleitkommando der Evakuierungszüge, die bisher aus dem Gebiet Danzig-Gotenhafen und bei der Räumung des Truppenübungsplatzes über 50 000 Personen nach Zentralpolen beförderten.”
    Zum Ordnungsdienst bei der Ankunft der Baltendeutschen.
    Zur Beseitigung von 1400 unheilbar Geisteskranken aus pommerschen Irrenanstalten.
    . Zur Beseitigung von ca. 2000 unheilbar Geisteskranken der Irrenanstalt Konradstein.
    . Begleitung von Judentransporten auf Anforderung der Gestapo nach Wien und Pressburg
    . Ab Januar 1940 findet nach dem vom Sicherheitshauptamt aufgestellten Nah und Fernplan die Evakuierung polnischer Elemente nach Zentralpolen statt. Aus dem Gau Danzig - Westpreußen sind 400 000 Evakuierungen vorgesehen Der PV-Sturmbann Eimann ist die einzige geschulte Truppe, die zur Durchführung dieser Aufgabe und als Begleitkommando der Transporte dem Oberabschnitt Weichsel zur Verfügung steht.
    gez. Hildebrandt. Ende des Dokumentes
    Es gab noch eine andere Form der Willkür Danziger Einwohner heimatlos zu machen Der ehemalige Dienststellenleiter bei der polnischen Eisenbahn. Gerard Knoff erinnert sich :
    “Die allgemeine Lage war überaus kritisch. Verschiedene deutsche Eisenbahnbedienstete. trugen auf ihren Dienstuniformen offen nationalsozialistische Abzeichen. Ebenfalls in Danzig - Ohra, auf dem Schönfelderweg, hatte sich unsere Lage ver¬schärft. Etwa drei Tage vor Kriegsausbruch warfen die Nazi-Rowdys große Feldsteine in unsere Wohnung .Durch die zerbrochenen Fensterscheiben trafen sie unsere Möbel, diese wurden demoliert. In der gleichen Zeit auf unserer Straße haben wir von
    diesen (deutschen) Chauvinisten drohende Ausrufe zu hören bekommen. “Wie lange wollt ihr hier noch bleiben, ihr Pollacken? Wenn ihr nicht ver¬schwindet hängen wir euch vor eurem Haus am Laternenpfahl auf.”
    Schon nach dem 1.9.1939 erhielt ich vom Staatsrat Büttner ein Schreiben, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich nicht mehr Eisenbahner sein durfte. Ferner erhielt meine Mutter vom Staatskommissar Danzigs einen Brief wodurch sie in Kenntnis gesetzt wurde, dass wegen ihrer Zugehörigkeit zu Polnischen Minderheit ihr Grundstück ( mit Haus ) beschlagnahmt worden ist. Jetzt mussten wir für unser Elternhaus Miete bezahlen.
    Im Frühjahr 1940 erhielten wir eine Vorladung uns einer deutschen Kommission vorzustellen. Die amtiert im damaligen Werftspeisehaus. Diese Abteilung wurde ” Rassenkommision genannt. Sie hat entschieden, wie ich mich gut erinnern kann, dass diese oder jene Familie ins Generalgouvernement deportiert werden sollte oder nach Riesenburg, ( jetzt Prabuty, ) abzuschieben ist, oder weiterhin in Danzig bleiben durfte. Diese Kommission bestand ungefähr aus acht Personen. Einige waren Zivilisten andere waren uniformierte Parteifunktionäre. Sie haben meiner verwitweten Mutter vorgeworfen, dass sie als einheimische Danzigerin uns Kinder im polnischen Sinne erzogen hat. Mir wurde vorgehalten, 1938, die Einberufung zum Reichs Arbeitsdienst verweigert zu haben. Auch war es ihnen nicht recht, dass ich als junger Eisenbahner bei der polnischen Staatsbahn beruflich aufgestiegen bin. Sie meinten, dass ich mich für Polen verdient gemacht hätte. Als zum Abschluss des Verhörs meine Mutter sich erlaubte zu fragen, was denn nun mit uns weiterhin geschehen würde, empörte sich einer von ihnen gewaltig, so dass wir rausgeschmissen wurden. Danach erfolgten für uns ungewisse Tage und die Furcht deportiert zu werden. Dann erhielt ich vom Polizeipräsidium ein Schriftstück, in dem mir mitgeteilt wurde, dass mir die Danziger Staatsangehörigkeit aberkannt worden ist.8 die Deutsche erhielt er nie) Seit diesem Augenblick war ich im deutschen Danzig staatenlos. ”
    Gerard Knoff lebte nun in seiner Geburtsstadt und in seinem Elternhaus bis 1945 als Heimatloser und Vertriebener zugleich. 1943 wurde er verhaftet und ins KZ-Stutthof verschleppt.
    Die Deutschen wollten mit den Polen nicht zusammen leben. Das Potsdamer Abkommen war die konsequente Folge gegen diese deutsche Politik Die Völker wurden getrennt, um einen stabilen Frieden in Europa zu sichern.
    Gerhard Jeske, Franzosenkoppel 32 -22547 Hamburg. Tel 040-8314894

  5. geschrieben am 7. Juni 2009 um 20:18 Uhr | Permalink

    Heimatideologie ist ein Vorwand
    06.07.09 Sudetentag in Nürnberg.
    Klar doch, wer im Osten nichts besaß als seine Mietwohnung und schlecht bezahlte Arbeit, diesen zieht es nicht dorthin zurück, nur die Minderheit von Besitzenden und Großbauern, Hauseigentümern usw, versuchen unter dem Deckmantel, des Rechtes auf Heimat, ihren Besitz wieder einzutreiben, und das deutsche Volk soll ihnen dabei helfen und ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen. Wer gab den Hausbesitzern und Mietern , das Eigentum zurück, welches in ungeheurer Zahl durch Bomben vernichtet wurde ? Die Toten kann niemand ins Leben zurückbringen und ihre Exiztens einklagen. Die nächsten Millionen Wasser und Klima Vertriebenen werden uns in Zukunft mehr beschäftigen müssen.” Wir haben hier keine bleibende Stadt” das lernte ich schon in der Klippschule in der Freien Stadt Danzig .
    gerhard jeske 22547 hamburg

  6. geschrieben am 21. Juni 2009 um 09:57 Uhr | Permalink

    Gerhard Jeske Hamburg
    Die jeweilige Gegenwart hatte immer viele Stränge in die Vergangenheit.
    In der Geschichte muss unterschieden werden zwischen dem feudalistischem Königreich mit ihren Fürsten ,ect. Wo die Untertanen gleich wie Eigentum des Herrschers galten. Außerdem waren die Fürstentümer Familien- Konzerne, die sich untereinder durch Einheirat in den Besitzstand oder in die Erbfolge brachten. Den Herrschern war es egal ob seine Untertanen Polen , Deutsche oder Russen waren, Sie mußten gehorchen und arbeiten, auch für die Interessen der Herschaft in den Krieg ziehen.
    Die Städte entzogen sich immer mehr diesem Anspruch, wurden selbstbewußt und selbstständig. Das Verhältnis Danzigs zum König von Polen ist dafür ein Beispiel.
    In Polen konnten die Deutschen und andere Minderheiten Jahrhunderte ungestört leben, auch als Protestanten und die deutsche Sprache gebrauchen. Mit den Teilungen Polens 1772-1795 und der Entwicklung zu den National-Staaten nahm die Geschichte einen anderen Verlauf . Für die Polen änderte sich das nach 1793 in Preußen gewaltig . Es ging soweit, dass den Polen verboten wurde Polnisch in der Schule und ab 1887 im Religionsunterricht zu sprechen. Daraus ergab sich die Schulstreik der polnischen Bevölkerung im Norden. Gleichfalls wurde die Gerichtssprache die Deutsche. Die preussische Staatbürgerschaft wurde Gesetz. Infolge dessen wurden tausende Polen ausgewieden. Polen durften nicht mehr in Westpreußen und in der Kaschubei Land erwerben und siedeln usw.
    der eiserne Kanzler meinte. dazu ein Zitat von ihm an seine Schwester 1861 geschrieben “Haut doch die Polen, dass sie am Leben verzagen. Ich habe kein Mitgefühl für ihre Lage. Wir können auch nichts dafür, dass der Wolf von Gott geschaffen ist, wie er ist, und man schießt ihn doch dafür tot, wenn man kann ”
    und der Pfarrer Otto Dibelius (der spätere Bischof) schieb in seinem Buch.” Nationale Erhebung Berlin 1919:” Darum rufen wir es in die Welt hinaus und wollen es hinausrufen solange wir leben: dass Deutschland sein Recht auf Straßburg und auf Danzig nicht aufgeben wird, so lange deutsche Mütter noch deutsche Kinder gebären ..–
    Empor die Herzen zu neuem nationalen Stolz, zu neuem, festem Willen zu nationaler Macht und Größe.”
    Kein Wunder,dass der evangelische Hohepriester 1936 seine Predigt schloß mit dem geflügeltem Satz” Ein Volk ein Reich ein Führer.”
    und diese Geschichte entwickelte sich grausam bis 1945. .

  7. geschrieben am 4. August 2009 um 10:21 Uhr | Permalink

    1939 Danzig – Ohra Bericht des Fahrdienstleiters Gerhard Knoff geb. 3.5.1914
    Danziger Bürger wurde staatenlos.
    Mit Beginn des Frühjahres 1939, vor allem vom Moment ab, als Adolf
    Hitler im Reichstag während seiner Rede vom 28. April den Nichtangriffspakt mit Polen abgebrochen hatte, zugleich den Anschluss Danzig zum Reich verlangte, ab der Zeit, von Tag zu Tag, mehrten sich Schikanen und Überfälle auf polnische Bürger.
    In den warmen nächsten Sommertagen erschienen auf den Straßen immer mehr verschiedene Kriegsfahrzeuge, sowie uniformierte Männer,gab es zu sehen. Jedenfalls, kurz gesagt, die politische Lage im August sah schon ganz brenzlig aus.

    Infolge der anwachsenden Spannungen war der Zugverkehr auf der Strecke Gdingen-Danzig-Dirschau eingeschränkt und sehr unregelmäßig. Einige Züge, auf Anlass der deutschen Behörden, verkehrten überhaupt nicht. Aus diesem Grund hatte ich Schwierigkeiten mit der Hin- und Rückfahrt zum Dienst nach Lissau. Letzten Endes war es sogar unmöglich, denn beispielsweise musste ich bei meiner Hinfahrt von Ohra zweimal die Polnisch-Danziger Grenze passieren, erstmals in Hohenstein, dann nochmals in Liessau. Eines Tages wurde sogar, von den deutschen Beamten, beim Grenzüberschreiten in Liessau, mein Danziger Reisepass einbehalten. In Anbetracht dieser Lage habe ich mich an den Amtsvorstand des Betriebs- und Verkehrsamtes, Herrn Józef Schulz, gewendet, um mich zu einer anderen Dienststelle leiten zu lassen.
    Daraufhin wurde ich zur Arbeit, zum Bahnhof Danzig-Oliva, eingeteilt, wo ich den Platz vom Fahrdienstleiter Tylewski einnehmen sollte, der aus Furcht vor Inhaftierung nach Orlowo-Adlershorst gefahren ist. Als ich auf meiner neuen Dienststelle ankam, wunderte sich der deutsche Eisenbahner Neumann, fragte wer ich bin und fügte auch gleich hinzu, dass meine Anwesenheit nicht erforderlich ist. Ich erwiderte ihm, dass ich von Amtswegen hierher abkommandiert worden sei und laut Anweisung meinen Dienst verrichten muss.
    Die allgemeine Lage war überaus kritisch. Verschiedene deutsche Eisenbahnbedienstete trugen auf ihrer Dienstuniform offen nationalsozialistische Abzeichen.
    Ebenfalls in Ohra, auf dem Schönfelderweg, hatte sich unsere Lage deutlich verschärft. Wir wohnten als einzige Polen auf dieser Straße. Die aus Anlass der polnischen Nationalfeiertage von uns ausgehängte Flagge, war stets für die Nazis ein Dorn im Auge. Etwa 2-3 Tage vor Kriegsausbruch warfen die Nazirowdys große Feldsteine in unsere Wohnung. Durch zerbrochene Fensterscheiben wurde dabei einiges Mobiliar demoliert. Auf den Schutz der Polizei konnten wir nicht zählen. Trotzdem habe ich den Vorfall förmlich im Polizeirevier vorgelegt.
    Trotz alledem, was uns wunderte, erschien ein Schupo, hatte sich alles angesehen und machte sich sogar einige Notizen in sein Dienstbuch. Als er beabsichtigte wegzugehen, auf meine Anfrage, was er darüber meint, erwiderte er zum Schluss, es sei ja kein Wunder, denn so ähnlich verfahren ja die Polen mit den Volksdeutschen in Polen.
    Von dem Ereignis hat mein Bruder Paul gleichfalls dem Generalkommissariat der Republik Polen, in Gdansk, in Kenntnis gesetzt. Aber das hatte keinen Widerhall, weil schon zu viele ähnliche Vorkommnisse in jener Zeit auf Polen, in Danzig, zu verzeichnen waren.
    In gleicher Zeit, auf unserer Straße, haben wir von Chauvinisten drohende Ausrufe zu hören bekommen: “Wie lange gedenkt ihr hier zu bleiben, ihr Polacken? Wenn ihr nicht verschwindet, hängen wir euch an dem vor eurem Haus stehenden Laternenpfahl auf!”
    Hierbei möchte ich noch bemerken, dass in diesem Zeitraum unser Haus fast ständig unter Polizeiaufsicht war. Unter diesen Umständen, aufregender, keinesfalls normaler Nächte, konnten wir uns zum Schlafen nicht ins Bett legen. Nur in Kleidung, voller Spannung, schlummerten wir in Erwartung nochmaliger Provokationen.
    In den letzten Tagen vermehrten sich Verhaftungen von Polen. Demzufolge, am letzten Augusttag, überließen wir unsere Wohnung seinem Schicksal. Zeitweilig hielten wir uns bei meinem Schwager, Józef Blaszk, in Langfuhr, Adolf-Hitler-Str. 128, auch Ritterhof genannt, auf. Hier, am nächsten Tag, am frühen Morgen, erweckten uns mächtige Detonationen. Im ersten Augenblick konnte ich mich nicht zurechtfinden, wusste nicht was los ist, aber schnell genug habe ich begriffen, dass der Krieg begonnen hatte.
    Wir wissen, damals war schönes Wetter, daher schlief ich auch bei geöffnetem Fenster. Von draußen, aus Lautsprechern, hörte ich die mir gut bekannte Stimme des Gauleiters Albert Forster. Er verkündigte, dass Danzig keine “Freie Stadt” mehr ist und von nun an ein Bestandteil des Deutschen Reiches sei. Sofort habe ich den Radioempfänger eingeschaltet, wo der Text der Proklamation veröffentlicht wurde. Nahezu unaufhörlich war Marschmusik zu hören, von Zeit zu Zeit unterbrochen für Sondermeldungen von Vormarscherfolgen der Wehrmacht ins polnische Gebiet. Ich kann mich auch noch gut erinnern, dass vom selben Tag an der Rundfunkansager, statt wie bisher - “Landessender Danzig” -, den Wortlaut - “Reichssender Danzig” -, benutzt hatte.
    Aus Neugierde, so vor 10 Uhr, wagte ich auf die Straße hinauszugehen. Ich habe bemerkt, dass infolge der entstandenen Ereignisse, die Stadtbewohner aufgeregt und eilends auf den Straßen schreitend, aber an und für sich auch die Nachricht der Einverleibung Danzigs mit Großdeutschland mit Genugtuung empfingen.
    Ich stieg in die Straßenbahn ein und fuhr nach Danzig. In der Bahn, aus mitgehörten Gesprächen von Passagieren, habe ich erfahren, dass die “Polnische Post” angegriffen worden ist und um dieses Gebäude auf dem Heveliusplatz vom frühen Morgen an harte Kämpfe geführt wurden. Man sprach auch von Verhaftungen polnischer Einwohner Danzigs. Bedrückt stieg ich vor dem Hauptbahnhof aus. Gleich fiel mir ein langes Transparent mit dem Wortlaut auf: “Widerstände sind nicht dazu da, dass man vor ihnen kapituliert, sondern dass man sie bricht”
    Das Bahnhofsgebäude war mit roten Hakenkreuzfahnen behängt. Vor und auf dem Bahnhofsgelände wimmelte es von bewaffneten Soldaten und der Schutzpolizei, die den Zutritt dorthin nicht zugelassen haben. Einer von denen stand sogar auf der Straßenbahninsel und hielt in der Hand eine Tafel mit der Aufschrift: “Halt, es wird scharf geschossen!”
    Vor dem Haupteingang des Bahnhofsgebäudes und anderswo waren polnische Briefkästen nicht mehr zu sehen. Polnische Anschriften waren teilweise schon beseitigt. Nach diesen ersten Ereignissen bin ich zur Einsicht gekommen, dass alles vorzeitig und sorgfältig vorbereitet worden war.
    Von Zeit zu Zeit erschallten Schüsse in der Stadt, die zweifellos von der “Polnischen Post” und der Westerplatte her kamen. Nach kurzer Zeit bin ich in die Innenstadt gegangen, in Richtung polnisches Postamt. Unterwegs erblickte ich eine inhaftierte Gruppe von Männern, die von bewaffneten Sturmtrupps abgeführt wurden. Je näher ich zur polnischen Post kam, desto mehr begegneten mir Zivilisten mit Handgepäck, vorwiegend Frauen mit Kindern. Es hat sich schnell erwiesen, dass diese Einwohner aus den naheliegenden Häusern der “Polnischen Post” evakuiert worden waren. Auf den Straßen ringsum des polnischen Postamtes wimmelte es von Wehrmachtsangehörigen, SS-Heimwehr und Schutzpolizei. Nach kurzer Ansicht aus bestimmter Entfernung habe ich mich zurückgezogen und bog in die Tischlergasse ein. Gegen Mittag kehrte ich nach Langfuhr zurück. Am selben Tag bin ich mit meiner Mutter wieder nach Ohra in unsere Wohnung zurückgekehrt. Hier angekommen, stellten wir fest, dass jemand versucht hatte sich hier ranzumachen. Als wir uns umsahen, stellten wir fest, dass nichts verschwunden war. Später haben wir erfahren, dass der patrouillierende Schupo den Eindringlingen das Plündern untersagt hat.

    Es dauerte nicht lange, bis dann Zellenleiter Metz mit noch jemandem in unser Wohnung eintrat und die Frage stellte, wo wir vorher gewesen waren? Daraufhin zeigte ich mit dem Kopf auf die noch im Zimmer liegenden Steine und Glasscherben, gleichzeitig antwortete ich ihm, in Langfuhr. Er sah uns erstaunt an, denn wie er uns zu verstehen gab, hatte er angenommen, wir seien nach Dirschau gefahren. Nach dieser Unterhaltung gab er noch hinzu: “Verhaltet euch gut und macht keine Dummheiten mehr!”
    Bevor beide die Wohnung verließen hat Metz uns noch Lebensmittelkarten ausgegeben, worüber wir sehr überrascht waren. In der nachfolgenden Zeit hat er uns in Ruhe gelassen.

    Am nächsten Tag, gemäß ausgegebener Anordnung, als ich auf dem Weg zum örtlichen Polizeirevier war, begegnete ich meinem Schulfreund Paul Grzegowski. Wir beschlossen uns im Polizeirevier immer gemeinsam zu stellen. Hier wurden wir belehrt, dass wir und alle noch auf freiem Fuß befindlichen Polen, ab heute täglich verpflichtet sind sich persönlich auf dem Polizeirevier zu melden, und zwar zweimal, um 8 Uhr und um 18 Uhr. Anfangs haben die Polizeibeamten noch für Pünktlichkeit Sorge getragen, jedoch im Laufe der Zeit sich immer mehr liberal verhalten. Später, als ich die Pflichtarbeit aufgenommen hatte, brauchte ich mich nur einmal am Tag, morgens oder abends, im Polizeirevier zu melden.

    Im Herbst mussten meine Schwester Wanda mit ihren Kindern in Langfuhr, sowie mein Bruder Edmund nebst Familie, welcher im Erdgeschoß unseres Hauses in Ohra, auf dem Schönfeldweg wohnte, die Wohnungen räumen.
    Die untere Wohnung meines Bruders hatte ein SS-Mann namens Schlicht eingenommen. Von dieser Zeit an wohnten wir nun alle im oberen Stockwerk, in zwei kleinen Zimmern.

    Bürger polnischer Nationalität, die sich im Arbeitsamt zur Arbeit gemeldet hatten, wurden zur Pflichtarbeit bei verschiedenen Aufräumung Arbeiten in der Stadt- eingeteilt. Da ihnen nur ein geringer Wochenlohn von etwa 6 bis 10 RM gezahlt wurde, blieb ich bis zum Frühjahr zu Hause. Nebenbei gesagt, von meiner Seite aus war dies riskant und ich hätte deswegen Unannehmlichkeiten haben können. Trotz allem hatte ich Glück, dass niemand mich als Drückeberger zur Verantwortung gezogen hatte. Weiterhin blieb ich in Kontakt mit einzelnen Leidensfreunden, die noch auf freiem Fuß geblieben waren. Unter diesen Umständen war das tägliche Dasein nicht leicht. Fortwährend bestand die Gefahr von Freiheitsberaubung und in Stutthof zu landen.

    Im Frühjahr 1940 erhielten wir eine Vorladung, meine Mutter und ich, uns vor einer Kommission, welche im damaligen Werftspeisehaus am Fuchswall amtierte, zu stellen. Diese Kommission wurde von allen “Kassenkommission” genannt. Sie hatte entschieden, wie ich mich gut erinnern kann, diese oder jene Familie entweder ins Generalgouvernement zu deportieren, zur Umschulung nach Riesenburg - jetzt Prabuty - abzuschieben, oder weiterhin in Danzig zu belassen. Die Kommission bestand ungefähr aus 8 Personen und hat einzelne Familien im Saal, der sich links hinter der Eingangstür des Werftgebäudes befand, empfangen. Hinter den Tischen saßen einige Zivilisten, aber auch mehrere uniformierte Parteifunktionäre. Unter anderem haben sie meiner verwitweten Mutter vorgeworfen, dass sie als einheimische Danzigerin, ihre Kinder im polnischen Sinne erzogen hatte. Wiederum wurde mir vorgehalten, dass ich ein Jahr vor dem Krieg die Einberufung zum staatlichen Hilfsdienst/Reichsarbeits-
    dienst verweigert hatte. Andererseits war es ihnen auch nicht recht, dass ich als junger Eisenbahner der polnischen Staatsbahnen, durch meine Verdienste schon in kurzer Zeit zum Eisenbahnassistenten befördert worden war.
    Als zum Abschluss des Verhörs meine Mutter sich erlaubte anzufragen, was denn weiter mit uns geschehen würde, empörte sich einer von denen und hat uns fast aus dem Zimmer geworfen.
    Nachdem folgten ungewisse Tage für uns, in der Befürchtung ausgesiedelt zu werden. Tage und Wochen waren inzwischen vergangen, doch ließ man uns in Ruhe.
    Eines Tages traf ich wieder einmal meinen Kollegen Alfons Ferderski. Wir gingen auf die Suche nach entsprechender Arbeit. Wir waren uns einig, dass wir nur noch als Arbeiter Beschäftigung bekommen könnten. Infolge dessen sind wir zum Arbeitsamt gegangen und haben die Zuweisung zum Holzbauwerk A. Geissler KG erhalten.
    Ich möchte noch anführen, dass ich bald nach Kriegsausbruch ein Schreiben vom Eisenbahnkommissar erhalten hatte. Unterzeichnet vom Staatsrat Büttner wurde mir mitgeteilt, dass aufgrund der Übernahme der Eisenbahn des Danziger Gebietes, ab 1. September 1949 auf meine Dienstleistung sofort verzichtet wird.
    Ferner, es war wohl Anfang 1940, erhielt meine Mutter eine schriftliche Nachricht vom Stadtkommissar, dass wegen ihrer polnischen Volkstums Angehörigkeit, ihr Grundstück beschlagnahmt, enteignet ist. Jetzt mussten wir Miete zahlen.
    Noch möchte ich hinzufügen, leider weiß ich nicht in welchem Monat es war, dass ich vom Polizeipräsidium ein Schriftstück erhalten hatte, in dem mir mitgeteilt wurde, dass mir die Danziger Staatsangehörigkeit aberkannt wurde..
    In Anbetracht dessen bin ich staatenlos geworden.
    Im Untersuchungsgefängnis saß ich drei Monate ein. In einer überlegten Zelle voller Wanzen. Wegen angeblicher Sympathie mit einem französischen Kriegsgefangenen, der später floh. Mir wurde dazu eine Verbindung nachgesagt. Ab 1943 wurde ich ins KZ-Stutthof eingeliefert. Von dort wurde ich verlegt zur Danziger Werft und hatte auf der Werft im U-Boot Bau bis zum März 1945 Zwangsarbeit geleistet
    Gerard Knoff, geschrieben für Gerhard Jeske
    Gerhard Jeske ergänzt.
    Ein Mitglied der Familie Knoff ist in der Historischen Beschreibung der Stadt Danzig von Curicke 1422 als Schöppe erwähnt. Der Vater des Gerhard Knoff war ein Vetter der Mutter des Schriftstellers Günther Grass. Als einheimische Bewohner der Hansestadt Danzig wurden sie ausgebürgert, von Reichsdeutschen, die mit der Geschichte der Stadt nicht verbunden waren.

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