Das im historischen Rathaus auf dem Marktplatz untergebrachte Museum des Culmer Landes bietet die Möglichkeit, der Geschichte der Stadt Culm und ihres Umlandes kennen zu lernen. Die Gründung des Museums erfolgte 1959 durch Mag. Jerzy Kałdowski. Es entwickelte sich zunächst als gesellschaftliche Einrichtung und erhielt im Jahr 1964 den Status eines sog. Museumspunktes. Bis 1975 verfügte das Museum über zwei Säle auf der Südseite des ersten Stockwerks im Rathaus. Danach erfolgte seine Verlegung in den Pulverturm, jedoch zum 750-jährigen Gründungstag der Stadt erhielt es seinen endgültigen Standort im Rathaus. Die offizielle Eröffnung des Museums des Culmer Landes fand dort am 28. Dezember 1983 statt, also genau 750 Jahre nach dem Erlass des Gründungsprivilegs für die Stadt Culm.
Das Museum sammelt vor allem Gegenstände, die mit dem Stadtgebiet und seiner nächsten Umgebung im Zusammenhang stehen. Neben den Dauerausstellungen “Geschichte Culms” und “Dr. Ludwik Rydygier - ein polnischer Chirurg von Weltruf” können auch regelmäßige Sonderausstellungen besucht werden.
Die Dauerexposition “Geschichte Culms” nimmt sechs Säle im ersten Stockwerk ein. Im ersten Raum wird die Geschichte vor der Stadtgründung 1233, die Verleihung des Gründungsprivilegs und die Entwicklung der Stadt im Mittelalter dargestellt. Einen besonderen Eindruck hinterlassen der Gerichtssaal, in welchem man Wandgemälde Jan Roszkowskis aus dem 18. Jahrhundert bewundern kann, die thematisch an biblische Gerichtsszenen anknüpfen, sowie eine mit schönen Intarsien versehene Tür im Rokokostil mit der lateinischen Inschrift “Non Quaerit Quae Sua Sunt”. Unter den Exponaten in diesem Saal befinden sich die “Kriminalistische Praktik” von Jakub Czechowicz, die im Jahre 1769 in Culm herausgegeben wurde, sowie zwei Danziger Editionen der Revision des Culmer Rechts aus dem 18. Jahrhundert.
In einem weiteren Saal ist die Geschichte des Culmer Schulwesens dargestellt, wobei besonders die einstige Culmer Akademie (1386-1818) präsentiert wird. Ihre Tradition übernahm das im Jahre 1837 gegründete Culmer Gymnasium, das noch heute besteht.
Im einstigen Sommersaal befindet sich eine herrlich bemalte Balkendecke aus dem 17. Jahrhundert. Hier ist eine Sammlung untergebracht, die an das Culmer Druckerhandwerk sowie die in der Stadt tätigen Zechen und Vereine erinnert.
Die beiden letzten Ausstellungssäle befassen sich mit der geschichtlichen Zäsur der Jahre 1920-1945. Die Exponate aus der Zwischenkriegszeit spiegeln in besonderer Weise die Zeit wieder, in der Polen seine Unabhängigkeit wieder erlangte und illustrieren die Tätigkeit verschiedener Vereine und auch der in Culm in dieser Zeit stationierten Armeeeinheiten. Behandelt wird natürlich auch die Okkupationszeit während des Zweiten Weltkriegs.
Im 2. Stockwerk des Rathauses kann man den Bürgersaal mit herrlichen Stuckarbeiten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und Keramikbüsten bewundern. Betrachten kann man auch die Portraits verdienter Culmer Bürger, unter anderem von Walenty Fiałka (1852-1932), einem Bücherfreund und Verleger polnischer Bücher, sowie von Dr. Ludwik Rydygier (1850-1920), dem berühmten Chirurgen.
Eine Ausstellung im Erdgeschoss des Rathauses ist Ludwik Rydygier gewidmet. Unter den Ausstellungsstücken befindet sich eine Rarität, nämlich eine im Jahre 1912 in Lemberg herausgegebene Sammlung aller wissenschaftlichen Arbeiten mit dem Autogramm des Verfassers, die von einem Mitglied der Familie Rydygier dem Museum übergeben wurde. Interessant sind auch medizinische Geräte und Instrumente aus der Epoche Rydygiers.
Neben den Dauerausstellungen präsentiert das Museum des Culmer Landes im Bürgersaal auch zeitlich begrenzte Ausstellungen, die hauptsächlich regionale Themen betreffen oder Gastausstellungen anderer Museumseinrichtungen sind.
Im Rathaus ist im Eingangsbereich auch die städtische Tourismusinformation untergebracht, in der Publikationen über die Stadtgeschichte erworben werden können.