Der Schwedenstein

In dem letzten Kriege, den die Schweden unter Karl Gustav gegen die Polen führten, musste auch die Stadt Culm eine harte Belagerung ausstehn. Der Feind, der dieselbe nicht mit Gewalt nehmen konnte, beschloß sie auszuhungern. Und schon hatte die Noth in der Stadt den höchsten Grad erreicht, da kam man auf den Einfall, zu versuchen, ob nicht die Schweden durch eine List zum Abzuge vermocht werden könnten. Man nahm alles noch vorhandene Mehl, backte zwölf große Brodte davon, und schleuderte diese nebst dem geräucherten Fleische, was man noch übrig behalten hatte, in das feindliche Lager. Der König, der langwierigen Belagerung schon müde, glaubte die Stadt, da man noch so viel fortwerfen konnte, mit allem hinlänglich versehen und zog ab. Ein großer Stein, der einsam auf unbebautem Felde, an der Stelle, wo des Königs Zelt gestanden, liegt, und auf welchem dieser seine Mahlzeiten gehalten, erinnert noch jetzt durch seinen Namen: der Schwedenstein, und durch die Gabel, Messer und Teller, die auf ihm eingehauen sind, an jene Begebenheit.



Diese Sage wurde der Sammlung Die Volkssagen Ostpreußens, Litthauens und Westpreußens, herausgegeben von W.J.A. von Tettau und J.D.H. Temme, Berlin 1837, entnommen.

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